Elternteilzeit als Führungskraft (2)

Rechtstipp von Dr. Monika Schmidt, Rechtsanwältin/Fachanwältin für Arbeitsrecht, Dr. Matzen & Partner

Bereits vor einigen Wochen hatte ich in diesem Blog ein Gerichtsurteil zur Vereinbarkeit von Elternteilzeit und Managementtätigkeiten vorgestellt. Ein weiterer interessanter Fall wurde am 15.02.2011 vom Landesarbeitsgericht Frankfurt entschieden:

Die Abteilungsleiterin eines  Unternehmens mit Sitz im Frankfurter Raum hatte Elternzeit beantragt und gleichzeitig mit der Geschäftsleitung eine Teilzeittätigkeit von 30 Wochenstunden vereinbart. Diese Tätigkeit sollte auf fünf Wochentage verteilt sein, und zwar drei Tage Homeoffice und zwei Tage Präsenzzeit im Büro. Kurz darauf teilte das Unternehmen ihr mit, dass ihr bisheriges Büro geschlossen worden sei und sie ihre zwei Bürotage in der Konzernzentrale in London ableisten solle. Die Managerin ließ die Weisung gerichtlich überprüfen.

Während das zunächst befasste Arbeitsgericht Frankfurt dem Unternehmen Recht gab, entschied das Landesarbeitsgericht im Rahmen der Berufung zugunsten der Führungskraft und untersagte dem Arbeitgeber die Weisung, sie regelmäßig in London einzusetzen. Das Gericht war nicht davon überzeugt, dass der Standort Frankfurt tatsächlich geschlossen worden ist. Darüber hinaus wertete es die Weisung als eine unzulässige „Strafversetzung“, da die Reisezeiten außer Verhältnis zur Arbeitszeit stünden. Angesichts der im Unternehmen gängigen Praxis der elektronischen Kommunikation sei die Weisung unzumutbar, da sie das abgesprochene Modell zur Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Beruf vollends sprenge.

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