Weihnachten ist vorbei. Natürlich mal wieder viel zu schnell. Kaum Zeit für besinnliches Nichtstun. Bürofeiern und Besorgungen halten uns auf Trapp statt uns Zeit zu nehmen, Bilanz zu ziehen. Als Führungskraft die Mitarbeiter nicht nur auf einen Umtrunk zusammen trommeln, sondern um das alte Jahr mal ganz bewusst Revue passieren lassen: Was ist gut gelaufen in diesem Jahr, was nicht? Was wollen wir weiter machen, was hat sich überholt und können wir lassen, was anders machen oder neu einführen? Wer schleppt nicht irgendwelche Altlasten, Auswertungen, Aufgaben oder auch Meetings mit, deren Sinn sich nicht erschließt, aber immer schon so gemacht wurden. Solche Entsorgungsrunden, regelmäßig durchgeführt, wirken Wunder, nicht nur in Sachen Effizienz, sondern auch für die Mitarbeitermotivation.
Die Kunst des Zuhörens
Dafür braucht es keine großformatige Motivationskampagne. Einfach (und das ist ja bekanntlich schwierig) mal den Leuten Fragen stellen und ihr Wissen anzapfen. Und dann zuhören. Sich zurücknehmen und sich anhören, was Mitarbeiter bewegt, bedrückt, sie anders machen würden. Das auszuhalten, als Chef oder Chefin nicht immer sagen zu müssen, wo es langgeht, nicht immer die beste Idee haben zu müssen und den längsten Redeanteil – das ist die Kunst. Statt in schlechter Managermanier zu schnauben: Das muss in Zukunft anders gemacht werden. Menschen arbeiten nicht für Geld allein, sondern es geht ihnen auch um Anerkennung und Aufmerksamkeit wie wir jeder Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit bzw. Unzufriedenheit entnehmen können.
Die Macht der Gewohnheit
Wieso tun wir das nicht? Keine Zeit! So die schlappe Ausrede. Die Wahrheit: Wir unterschätzen die Macht der Gewohnheit. Geht uns doch allen so: klar wissen wir, wie man die berühmten fünf Kilo, die man immer zuviel wiegt, los wird und schleppen sie trotzdem weiter mit uns rum. Und hat man’s mal geschafft, schwups, kommt der Jojo-Effekt um die Ecke: Kaum dreht man sich um, ist das Fett wieder da. Kurzfristig nehmen wir uns an die Kandare, nur dauerhaft schaffen wir es nicht, alte Gewohnheiten aufzulösen, das abendliche Bier oder die tägliche Tafel Schokolade wegzulassen und durch Sport oder einen Spaziergang zu ersetzen. Prompt verfallen wir wieder in unsere alten Routinen. Und was abends auf der Couch passiert, setzt sich tagsüber im Joballtag fort. Wir lesen das x-te Buch über Burnout, Zeitmanagement oder Führung, klappen es zu und machen weiter wie bisher.
Zur Erinnerung eine der ältesten und bedeutsamsten Theorien des Change Managements in Kürze, die von Kurt Lewin stammt. Veränderungen vollziehen sich in drei Phasen: Auftauphase (Notwendigkeit und Nutzen der Veränderung verstehen), Bewegungsphase (Veränderungsschritte planen und umsetzen), Einfrierphase (erreichten Zustand festigen), im Managementjargon auch bekannt als: Unfreeze – Change – Freeze. Das kurzfristige Aufbrechen von Gewohnheiten garantiert noch keinen dauerhaften Erfolg. Das wissen Changemanager längst. Statt das x-te Change Projekt aufzulegen, wäre schon viel geholfen, wenn wir entschlossen und beharrlich an einem dran blieben, bis sich neue Angewohnheiten nachhaltig etabliert haben. Das ist die kritische Phase. Bleiben Sie dran! Oder um mit Churchill zu sprechen: When you go through hell, keep going!
Und wenn Sie es nicht zum Jahresausklang geschafft haben, der Jahresauftakt ist auch eine gute Gelegenheit Ihre Leute bewusst ins neue Jahr zu führen, Vorsätze und Veränderungen zu planen, umzusetzen und zu festigen.
Red.: Barbara Schneider, managerinnentalk.de
