Kontaktkompetenz für die Karriere

Immer wieder taucht in meinen Vorträgen über Hürden und Erfolgsfaktoren für Frauen die Frage auf, wer nun die besseren Netzwerker sind – Männer oder Frauen – und ob sich Frauennetzwerke überhaupt lohnen.

In diesem Zusammenhang ein interessantes Forschungsergebnis: Studien haben gezeigt, dass Frauen miteinander telefonieren, um sich über ihr Befinden auszutauschen, Männer rufen ihre Freunde an, wenn sie eine Information brauchen. Und dieses Anzapfen von Informationen – womit natürlich keine Betriebsgeheimnisse gemeint sind – sollten wir ruhig öfters betreiben. Die meisten Menschen fühlen sich geschmeichelt, wenn sie jemand um einen Gefallen bittet.

Nun ist meines Wissens auch nicht jeder Mann per se ein begnadeter Netzwerker. Deshalb erwarten Sie von mir hierzu keine endgültige Antwort, aber einige Erfahrungen, Beobachtungen und Tipps zum Thema Networking habe ich parat.

Sehen und gesehen werden

Gehen Sie vor die Bürotür. Verlassen Sie Ihre vier Wände, um Kontakte zu knüpfen und Informationen zu erhalten, zu denen Sie sonst vielleicht keinen Zugang hätten. Es sind oftmals die informellen Nachrichten, die wichtig sind. Schaffen Sie Möglichkeiten, gesehen zu werden, damit es zu den beiläufigen Gesprächen kommt, die die Basis für Beziehungen sind. Ein persönliches Unterstützer-Netzwerk ist etwas außerordentlich Nützliches und verschafft Ihnen viele Vorteile: Erfahrungsaustausch, Impulse und Ideen, neue Sichtweisen, Synergien, voneinander lernen und miteinander Geschäfte machen.

Das Schöne am Netzwerken: Ein persönliches Kontaktnetz öffnet Türen. Wenn man erst einmal anfängt, ergibt sich schnell ein Multiplikatoreffekt und Sie erhalten Zugang zu weiteren Netzen und neuen Kontakten.

Kontaktkompetenz für die Karriere

Sie sagen wieder einmal die Tagung mit anschließendem Dinner ab oder lassen die Vernissage sausen, weil Sie bis über beide Ohren in Arbeit stecken? Manche Menschen – darunter auch viele Männer – flüchten sich gern in Fachkenntnisse, statt Beziehungsaufbau und Netzwerkpflege zu betreiben. „Entschuldigung, dafür habe ich keine Zeit“, heißt es dann, „das hält mich nur von der eigentlichen Arbeit ab.“

Netzwerken ist Arbeit und Netzwerktermine sollten Sie als echte Geschäftstermine betrachten. Denn sonst gehen Ihre Kontaktpflegeaktivitäten im Tagesgeschäft unter und Ihre Beziehungen über kurz oder lang baden. Legen Sie lieber hin und wieder eine Nachtschicht beim Networking ein als im Büro. Vor allem als Führungskraft gehört Kontaktmanagement zum eigentlichen Kern Ihrer Aufgaben. Persönliche Verbindungen liefern Ihnen wichtige Unterstützung, Feedback, Zugang zu Informationen und Geschäftspartnern, Austausch und Ansehen.

Frauen denken oftmals: „Ich will nicht aufsteigen, weil ich jemanden kenne, sondern weil ich gut bin.“ Wenn Sie gut sind und Sie keiner kennt, haben Sie aber ein Problem. Ein stabiles Netzwerk hat nichts mit anrüchigem Vitamin B oder Vetternwirtschaft zu tun, sondern viel mit sozialer Kompetenz. Beziehungsnetze belegen, dass Sie ein Team-Player sind. Führungskräfte brauchen die Fähigkeit, andere für sich und die eigenen Ideen und Ziele zu gewinnen. Kontaktkompetenz ist deshalb bei Führungskräften quasi so etwas wie ein beruflicher Qualifikationsausweis. Oder wie es der Managementautor Gilles Azzopardi auf einem Buchtitel ausdrückt: „IQ may get you a job, EQ will get you promoted.“

The mix matters

Achten Sie auf eine Vielfalt von Verbindungen. Knüpfen Sie Kontakte nicht nur im Kreis Ihrer Kollegen oder Ihres Berufsumfeldes, sondern in verschiedenen Bereichen. Menschen aus anderen Branchen und mit anderer Ausbildung bringen andere Denkweisen und anderes Know-how mit. Das schult auch die interpersonale Kompetenz. Eine Vielfalt an Kontakten aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport usw. bringt eine Vielfalt an Informationen, Impulsen und Wissen.

Natürlich müssen Sie für Ihr Tagesgeschäft funktionierende Arbeitsbeziehungen mit Ihren engsten Mitspielern und Mitspielerinnen, mit Kunden oder Lieferanten aufbauen, um an relevante Informationen zu kommen. Und das möglichst schnell auf dem „kurzen Dienstweg“. Damit sparen Sie nicht nur Zeit, sondern machen sich auch das Leben und vor allem das berufliche Vorankommen leichter. Zudem ist ein verlässliches Netzwerk immer auch ein persönliches Frühwarnsystem, um rechtzeitig Wind zu bekommen von betrieblichen Veränderungen oder aufkommenden Themen.

Schauen Sie sich um, wer unter, neben und über Ihnen steht, und bauen Sie Beziehungen zu diesen Personen auf. Die Top-down-Richtung – vom Vorgesetzten zum Mitarbeiter – ist eine wichtige Achse, aber nicht die alles und allein entscheidende. Verlieren Sie angrenzende Bereiche nicht aus den Augen und denken Sie auch an Akteure außerhalb des beruflichen Umfeldes. So entsteht ein Multiplikatoreffekt, der Ihnen neue Verbindungen schafft. Dadurch wiederum erhöht sich Ihr Bekanntheitsgrad im Unternehmen, in der Branche, in den Medien.

Gewusst wie

Einerseits war es noch nie so leicht wie heute, mit einem anderen Menschen überall und jederzeit in Kontakt zu treten, andererseits brauchen gute Beziehungen Zeit, Pflege und persönliche Begegnungen. Eine gelungene Begegnung erfordert Höflichkeit, Freundlichkeit, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Präsenz. Wir merken schnell, ob jemand mit seinen Gedanken ganz woanders ist, den Raum nach interessanteren Gesprächspartnern absucht oder möglichst schnell zur Sache kommen will. Beziehungsaufbau setzt immer ein echtes Interesse voraus.

Dass Netzwerken nicht schnell geht, hatte ich schon erwähnt. Das Langfristprinzip sollte man aber nicht falsch verstehen. Wer auf einem Netzwerk-Event auf eine abendfüllende Konversation hofft, sollte sich lieber mit einer guten Freundin verabreden. Verdonnern Sie niemanden dazu, Ihnen den ganzen Abend zuzuhören. Sollte das Ihnen passieren, dann verschaffen Sie sich einen eleganten Abgang. Jemanden einfach stehen zu lassen oder irgendwelche Ausflüchte zu stammeln und auf Nimmerwiedersehen am Büffet zu verschwinden, zeugt nicht von guter Kinderstube. Sie möchten schließlich auch nicht, dass man so mit Ihnen umgeht. Zum höflichen Umgang untereinander gehört auch, dass man Neuankömmlinge begrüßt und bekannt macht, dass man Menschen zusammenbringt. Und sich taktvoll verabschiedet. Sie müssen sich nicht dafür entschuldigen, dass Sie noch mit anderen Gästen reden möchten, also sagen Sie ruhig, dass Sie noch andere Teilnehmer begrüßen möchten. Bedanken Sie sich für die nette Unterhaltung und bei echtem Interesse bieten Sie den Austausch von Visitenkarten an. Wenn nicht, dann nicht. Sollte der Vorschlag von Ihrem Gegenüber kommen, dann erfüllen Sie ihm oder ihr den Wunsch. Visitenkarten nach amerikanischem Vorbild „Don’t call us. We call you“ sind hierzulande Gott sei Dank kaum verbreitet.

Women only?

Nun soll dieser Artikel nicht ohne ein paar Worte über Frauennetzwerke enden. Die Zeiten, in denen Frauenbündnisse als Allheilmittel gegen die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen galten, sind zwar vorbei, trotzdem können Frauen im Wirtschaftsleben von ihnen profitieren. Wann immer ich gefragt werde, ob ein gemischtes Netzwerk für die Karriere nicht besser sei als ein Frauennetzwerk, ist meine Antwort: Mit einem Netzwerk kommt man sowieso nicht aus, deshalb stellt sich die Frage für mich überhaupt nicht. Frauennetzwerke stellen eine zusätzliche Möglichkeit dar, Informationen und Tipps zu bekommen und sich gegenseitig weiterzubringen – und um neben der fachlichen Unterstützung auch emotionale zu erhalten. Die Damen, die ständig beklagen, dass in den Frauenclubs zu wenige Ressourceninhaberinnen sitzen, die über Jobs oder Budgets entscheiden können, sollen reingehen und dafür sorgen, dass sich das ändert. Aber auch für Frauennetzwerke gilt: Testen Sie sie und klopfen Sie sie auf eigene Zielvorstellungen ab.

Mehr Netzwerktipps in Barbara Schneiders Buch „Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf“, Gabal-Verlag

 

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