Mentoring ist mehr als Frauenförderung

ManagerinnenTalk.de: Frau Graf, grundsätzlich ist Mentoring ein seit Jahren bekanntes und anerkanntes Instrument. In welchen Bereichen wird es inzwischen überall eingesetzt?

Nele Graf: Wir haben in einer Studie 21 Unternehmen und Organisationen über ihre Mentoring-Programme befragt. Dazu gehörten Programme, in denen  Mentoring als Lernbegleitung von Kindern oder bei der Weiterbildung von Geringqualifizierten eingesetzt wird. Aber auch Reverse Mentoring Programme, bei denen Führungskräfte von jungen Mitarbeitern in Sachen Web 2.0 und Social Media begleitet werden oder aber natürlich der klassische Ansatz  des Mentorings für den Führungsnachwuchs oder zur Frauenförderung.

MT: Ein interessantes Beispiel?

NG: Das Programm „Einsteigen, Umsteigen, Aufsteigen. Mentoring für Migrantinnen in Frankfurt am Main“ des Vereins beramí. Hier werden meist Akademikerinnen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einer qualifikationsadäquaten Arbeitsstelle begleitet. Mentoring wird dabei kombiniert mit Lerneinheiten zu kulturellen Unterschieden, dem Bewerbungsprozess und Deutschkenntnissen. Im gesamten Prozess wird großen Wert auf die Eigeninitiative der Mentees gelegt, das Mentoring ist „nur“ eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

MT: Existieren denn Möglichkeiten, die den Mentee während des Mentorings zusätzlich unterstützen können?

NG:  Ja: Wir haben aufgrund dieser Thematik, den blended Mentoring-Ansatz entwickelt. Zwischen den Treffen mit dem Mentor haben die Mentees die Möglichkeit, online Kontakt zu anderen Mentees zu suchen, kleine Lerneinheiten zu absolvieren, aber auch Fortschritte zu dokumentieren – je nach Bedarf und Initiative. Unsere Idee dahinter: der Nutzen von Mentoring sollte mehr als die Summe der Tandemtreffen sein.

MT: Was genau ist denn der Nutzen von Mentoring?

NG: Unabhängig von individuellen Zielsetzungen profitieren alle Beteiligten: Mentees werden in ihrer individuellen Entwicklung unterstützt, situationsspezifisch und arbeitsplatznah begleitet. Die Frage nach dem Lerntransfer stellt sich bei diesem Instrument im Gegensatz zu Seminaren nicht. Mentorinnen und Mentoren reflektieren und verbessern ihr eigenes Führungsverhalten. Im Gegensatz zum Feedback von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bekommen sie vom Mentee ungefiltertes Feedback. Und auf Unternehmensseite hilft Mentoring, Einarbeitungszeiten zu verkürzen, schneller in neue Rollen reinzuwachsen und den Lerntransfer zu garantieren.

MT: Wenn ich also ein Mentoring haben oder als Mentorin arbeiten möchte, an wen wende ich mich?

NG: Am besten fragen Sie in Ihrer Personalabteilung nach. Häufig existieren bereits Programme, die leider zu wenig kommuniziert werden. Gibt es kein organisiertes Mentoring im Unternehmen, bleibt immer die beste Option: Aktiv werden und selber machen!

Nele Graf gilt als Expertin für Blended Learning Settings. Die promovierte Diplomkauffrau und Trainerin arbeitete mehr als 8 Jahre für renommierte Unternehmen im internationalen Umfeld der Personalentwicklung. Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin der Mentus GmbH. Diese fokussiert sich auf die Entwicklung, Anpassung und Durchführung von Mentoringprogrammen. Für weitere Informationen: MENTUS

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