„Nächsten Monat schreiben wir schwarze Zahlen“

Dr. Katarzyna Mol, Verlegerin der Zeitschrift Emotion, hat mit dem Kauf des defizitären Frauen-Magazins von Gruner und Jahr vor zwei Jahren alles auf eine Karte gesetzt

Von Stefani Bilen, SAAL ZWEI:

SAAL ZWEI: Frau Mol, Sie haben mehr als eine Million Euro investiert, um die Zeitschrift „Emotion“ bei Gruner und Jahr herauszukaufen und auf eigene Rechnung weiterzuführen. Wie kommt man angesichts sinkender Auflagen unter den Frauen-Magazinen auf eine solch riskante Idee?

Katarzyna Mol: Emotion ist so positioniert, dass sie die moderne, intelligente Frau erreichen will. Wir verzichten auf ein Mode-Ressort und decken Themen rund um das Persönliche, Partnerschaft und Job ab. Wir wollen Frauen inspirieren, noch glücklicher zu sein, und sie ermutigen, ihre Stärken und Potenziale zu nutzen. Wir zeigen im Heft Frauen, die damit bereits erfolgreich sind. Damit bieten wir ein spitz ausgerichtetes Konzept, für das wir damals wie heute gute Chancen sehen. Wir besetzen eine Marktlücke.

Angesichts der Fülle an Frauen-Titeln fällt es schwer, das zu glauben. Welche Erfolge konnten Sie seit dem Management-Buyout im Dezember 2009 verbuchen?

Unsere verkaufte Auflage liegt bei 60.000 Heften, wir konnten sie bei einem höheren Copy-Preis von 4,80 Euro stabilisieren. Das ist eine gute Basis, die wir weiter steigern wollen. Wir bekommen häufig Leserbriefe, in denen sich Frauen positiv über unser Konzept und unsere Themen äußern. „Endlich mal eine intelligente Frauenzeitschrift“, lesen wir häufiger.

Sie zeigen jeden Monat einen Promi auf Ihrem Titelblatt. Ist das ein Verkaufsgarant?

Im Moment sind wir noch auf bekannte Gesichter angewiesen. Für uns ist es eine enorme Herausforderung, unsere Zielgruppe am Kiosk zu erreichen – wir sind einfach noch nicht bekannt genug. Wenn wir neben anderen Frauen-Zeitschriften platziert werden, freut uns das. Häufig liegen wir immer noch in der Psychologie-Ecke, neben Blättern wie Gehirn & Geist. Hier findet uns keine Leserin, die ein spannendes Frauen-Magazin kaufen will. Das liegt daran, dass wir früher bei Gruner und Jahr ein Psychologie-Titel waren. Insofern brauchen wir bekannte Frauen auf dem Cover. Dennoch wollen wir uns künftig nicht nur auf die A-Promis auf dem Cover konzentrieren. Wenn wir unsere Auflage um 10.000 bis 15.000 Hefte gesteigert haben, werden wir auch unbekannte Frauen auf die erste Seite bringen.

Muss sich etwas ändern in Deutschland, damit unabhängige Verleger bessere Startchancen haben?

Ich glaube, dass jeder seinen Erfolg selbst in der Hand hat. Das Wichtigste ist ein schlüssiges Konzept und eine klare Positionierung. Und daran muss man glauben, auch wenn man Gegenwind bekommt. Unter diesen Voraussetzungen kann man auch als kleiner Verleger erfolgreich sein. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die Zeit der großen Auflagen vorbei ist. Titel wie Freundin oder Brigitte schrumpfen, insofern werden wir auch unter den hochwertigen Monatsmagazinen keine Auflagen von 500.000 oder 800.000 Heften mehr erreichen. Dennoch bleibt viel Platz für kleine Titel, die profitabel arbeiten.

Was macht Sie so zuversichtlich?

Nehmen Sie Brand Eins: Das Monatsmagazin hat sich am Kiosk etabliert. Einzelhändler wissen, dass sie mit einem hochwertigen und hochpreisigen Heft Geld verdienen können – auch wenn sie es nicht massenhaft verkaufen können.

Gruner und Jahr hat Emotion 2009 abgestoßen, weil das Heft rote Zahlen schrieb. Wann werden Sie unter dem Strich Geld verdienen?

Wir hoffen, dass es im Oktober so weit sein wird. In den vergangenen zwei Monaten waren wir kurz davor. Wenn wir diesen Meilenstein genommen haben, geht es natürlich darum, langfristig profitabel zu sein. Unser Ziel ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Andere Kennziffern stehen nicht im Vordergrund.

Setzen Sie auch auf das Internet, um dieses Ziel zu erreichen?

Unser Online-Auftritt ist unser größter Kundenbindungskanal. Wir sehen ihn als ergänzendes Medium zu unserem Print-Titel. In Bezug auf unser Wachstum sehen wir zwei weitere Säulen: Wir sind sehr aktiv mit kostenpflichtigen Vorträgen und Seminaren. Und seit zwei Monaten sind wir im Corporate Publishing-Bereich tätig: Wir bieten Kundenmagazine oder Broschüren für Firmen und Verbände an; allerdings nehmen wir nicht an Ausschreibungen teil, wir sehen uns als kleiner, feiner Dienstleister. Unser erster Kunde ist der Bundesverband für Sekretariat und Büromanagement. Ein zweiter Vertrag liegt zur Unterschrift bereit.

Sie wechselten damals aus einem Großkonzern in die Selbstständigkeit – und waren damit von der Büroraumsuche bis zur Vermarktung für alles selbst verantwortlich. Welche Vorteile bietet Ihnen Ihre Unabhängigkeit?

Es macht Spaß, die Marke Emotion konsequent und selbstverantwortlich voranzutreiben. Das bedeutet zwar ein großes Risiko, aber auch einen maximalen Handlungsspielraum. Ich genieße die kurzen und schnellen Entscheidungswege genauso wie die hohe Transparenz im Team. Das steigert die Motivation für alle.

Dr. Katarzyna Mol hatte das Magazin 2006 als Verlags- und später auch als Anzeigenleiterin unter dem Dach von Gruner und Jahr gelauncht. Emotion erreichte weder das Auflagen- (Ziel: 150.000) noch das Anzeigen-Soll, um in den Kostenstrukturen des Großverlags schwarze Zahlen zu schreiben. Mol übernahm den Titel, damals als Psychologie-Heft positioniert, und investierte mit Hilfe von Partnern gut eine Million Euro.

Die promovierte Juristin stammt aus Polen. Sie hält als Hauptinvestorin 72 Prozent am Hamburger Herausgeber Inspiring Network, die restlichen 28 Prozent liegen bei den Geschwistern Anke und Thomas Rippert. Anke Rippert ist als Geschäftsleiterin Coaching, Online und Neue Geschäftsfelder tätig. Als Stille Gesellschafter und Kreditgeber sind die städtische Beteiligungsgesellschaft BTG in Hamburg sowie die Hamburger Sparkasse an Bord. Die 37-jährige Mol ist verlobt.

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