Neulich beim Netzwerken

Für heute reicht es Marion Schäfer in ihrem Management-Kindergarten. Der Schreibtisch quoll zwar über, aber Networking ist auch Arbeit – wie das Wort working schon sagt – und kein Freizeitvergnügen nach Feierabend. „Wann soll ich denn das noch machen“, hatte sie damals aufgestöhnt wie so viele Frauen, die versuchen Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Oder sich schwer tun mit Selbstmarketing und die Nase rümpfen: Ich will mich doch nicht anpreisen wie Sauerbier. Aber: Kontakte sind das A und O im Business und hoch kommt, wer hoch vernetzt ist. Diese Lektion hatte sie gelernt. Also, auf zum Vortrag im traditionsreichen Wirtschaftsclub, dessen Mitgliedschaft sie sich seit letztem Jahr leistete.

Auf dem Weg nach unten läuft ihr Neuzugang Hoffmann in die Arme. „Schon Feierabend, Frau Kollegin?“. Mit so einer mokanten Bemerkung war zu rechnen, dafür hatte sie ein Näschen. Zwei Semester Harvard hin oder her – für wen hält der Mann sich. Marion bleibt unbeeindruckt: „International Management Club“, flötet sie im Weitergehen und das zeigte die gewünschte Wirkung. „Ach, sind Sie dort Mitglied.“ Was sonst? Mein Gott, war der Mann scharfsinnig. Bloß raus hier.

Im Club-Foyer trifft Marion auf Dr. Reuter, Vorstand im Verband der Personalmanager. Der Mann kommt ihr heute wie gerufen. Sieben Monate hat es gedauert, bis er sie mit Handschlag und Namen begrüßte. Gut Ding braucht Weile und bis sich in einem Netzwerkwerk ein Zugehörigkeitsgefühl einstellt auch. Keine angenehme Zeit, aber da muss jeder durch – Frau wie Mann. Sich in der Anfangsphase bloß nicht abkapseln oder die Männerrunden meiden, sondern aktiv auf Ansprechpartner zugehen, lautet die Devise. Marion hatte so manch blöde Bemerkung über sich ergehen lassen müssen und die meisten davon einfach charmant weggelächelt. „Ah, da kommt unsere Powerfrau“ gehörte zur harmlosen Variante. Die „Puppe von der Presse“ kursierte unter der Hand, als „Frau Dr. Schäfer“ war sie nach sechs Monaten akzeptiert. Da hilft nur eins: Augen zu und durch. Schließlich geht es hier nicht um Kuschel- sondern Karrierekreise.

Ein „Darf ich Sie mal kurz entführen“, zieht bei Männern noch immer und Marion steuert mit Dr. Reuter an die Bar. Ihr Oberboss hatte durchblicken lassen, dass er am Beförderungskarussell drehen und seinen Assistentenposten neu besetzen will. Wieso nicht die eigenen Kontakte spielen lassen, wo bei Reuter viele Fäden zusammenlaufen. Und sie schon öfters ein glückliches Händchen bei der Personalauswahl gezeigt hatte. „Kennen Sie jemanden für diese Position?“ Reuter war sichtlich geschmeichelt und bot an, sich umzuhören. Sollten passende Empfehlungen dabei sein, würde sie ihn und ihren Chef zusammenbringen. So hatte sie bei beiden einen gut, wie Männer das nennen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Karriere-Impulse, Networks, News abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar