Sie will gefallen, er gewinnen

Dass Frauen und Männer anders kommunizieren, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Beim Gegenüberstellen weiblicher und männlicher Kommunikationscodes geht es nicht um besser oder schlechter, richtig oder falsch und auch nicht darum, Unterschiede glatt zu bügeln, sondern sie sich bewusster zu machen und das eigene Repertoire zu erweitern. Ich sage Frauen immer, seht es pragmatisch. Wenn wir in ein fremdes Land reisen, bereiten wir uns ja auch auf unterschiedliche Gepflogenheiten vor. Die Männerwelt Management ist zwar nicht mehr terra incognita, aber immer noch von Männern geprägt. Ich weiß, es ist ungerecht und Männer könnten sich auch mal mit den weiblichen Kommunikationsmustern auseinandersetzen und dazulernen, aber viele winken ab und sagen salopp: Was kümmert mich das, wir waren eher da und wir sind viele.

Männer nehmen Sprüche sportlich, Frauen wörtlich

Zu den Unterschieden von Frauen- und Männersprache ist viel geforscht und noch mehr geschrieben worden, was sich zusammengefasst auf den Nenner bringen lässt: Männer wollen gewinnen, Frauen gemocht werden. Für Männer ist Kommunikation Machtinstrument, für Frauen Beziehungsinstrument. In der männlichen Kommunikation dreht sich alles um „Wer klopft den besten Spruch?“, „Wer weiß es?“. Männer wollen sich messen, kommunizieren direkt und durchsetzungsorientiert. Frauen geht es vor allem um Austausch auf Augenhöhe – mitteilungsfreudig, zuhörend und empfindlich gegenüber Kritik. Männer nehmen Sprüche sportlich, Frauen wörtlich, reagieren gekränkt und bleiben stumm.

Weibliches Kommunikationsverhalten kommt in einer am männlichen Managermodell ausgerichteten Kultur oftmals nicht gut an und führt zu Fehleinschätzungen der Kompetenz von Frauen. Wenn Männer die Kommunikation von Frauen debriefen, dann bewerten sie diese oft als zögerlich, zurückhaltend und nicht überzeugend genug.

Wie gesagt, es geht nicht darum, permanent im Männer-Modus zu kommunizieren, ihn ab und zu an der richtigen Stelle gezielt einzusetzen, das ist die Kunst. Mein Tipp: System kapieren, aber nicht unkritisch kopieren.

Kommunikative Kniffe gegen blöde Bemerkungen

Beherzigen Sie eine Grundregel: Wir können andere Menschen nicht ändern, allenfalls uns selbst. Soll heißen: Statt sich über den Sprücheklopfer zu ärgern, aufzuregen oder an sich zu zweifeln, lernen Sie, anders damit umzugehen. Das geht nicht von heute auf morgen. There is no magic, wie ich gerne sage, wir müssen üben, üben, üben.

„Das Konzept ist doch Schema F“ oder „Das ist doch alles viel zu praxisfern“. Was tun bei einer solchen Frontalattacke mitten im Meeting? Natürlich ist es stillos und unprofessionell, eine Kollegin (oder Kollegen – auch Männer werden vorgeführt) so anzugehen, das ist keine Frage. Trotzdem begegnen wir solchen Leuten im Business immer wieder. Und natürlich werden Ihnen genug Leute zustimmen, dass der Kollege sich vergaloppiert hat, aber erwarten Sie nicht zu viel Anteilnahme, die Runde schaut auf Ihre Reaktion. Tipp: Legen Sie sich eine kleine Kollektion an kommunikativen Kniffen zurecht und trainieren Sie sich diese an. Meine Hitliste:

„Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung, Herr Meyer?“ Das Nennen von Namen hat eine disziplinierende Wirkung!

Sie können auch noch ein „Interessant“ vorwegstellen.

„Interessant, Michael, was genau lässt sich deiner Meinung nach nicht in die Praxis umsetzen?“

Mein eigenes Aha-Erlebnis: „Mensch, Barbara, musst du immer auf den Details rumhacken. Typisch Akademikerin!“ Damals habe ich rumgestammelt und versucht, mich fachlich zu erklären. Wollte keiner hören.

Die Geburtsstunde von Minimalantworten, sozusagen Instantsätze, die einem aus der Patsche helfen. Heute würde ich den Angriff ins Leere laufen lassen:

„Was du nicht sagst, Rainer“. Wirkungsvoll auch ein strenges „Na, na“. Augenbraue hochziehen und niederschweigen.

Weitere Minimalantworten: „Donnerwetter“, „Potzblitz“, „Tatsächlich“. Gut geeignet, wenn jemand Ihnen mal wieder die Welt erklären will.

Verinnerlichen Sie Ihre persönliche Notfallreaktion! Und denken Sie dran: There is no magic – üben Sie, trainieren Sie, experimentieren Sie.

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