Wenn Vorstandsfrauen hinwerfen

Deutsche Chefetagen sind zwar keine reinen Männerclubs mehr, viele Vorstandskarrieren von Frauen sind aber noch zu kurz.

Letzte Woche räumte Angela Titzrath ihren Personalvorstandsposten bei der Deutschen Post nach gerade mal zwei Jahren, jetzt beendet auch die mit vielen Vorschusslorbeeren angetretene Eva-Lotta Sjöstedt ihre 5-monatige Kurzkarriere als Karstadt-Chefin. Die Liste der Kurzfrist-Intermezzi lässt sich fortsetzen: Angelika Dammann (Ex-Personalvorstand SAP), Marion Schick (Ex-Personalvorstand Deutsche Telekom), Brigitte Ederer (Ex-Personalvorstand Siemens), Regine Stachelhaus (Ex-Personalvorstand Personal/IT).

Frauen stolpern über Männer, Kinder und sich selbst

Woran liegt das? Ein Erklärungsversuch: Die Haupthürden für Frauen auf dem Weg nach oben sind gründlich erforscht und ganze Bibliotheken wurden dazu geschrieben (auch zwei aus meiner Feder, wenn Sie mehr wissen wollen: 2competence.de ). Einfach ausgedrückt, scheitern Frauen an Männern, Kindern und sich selbst. Soll heißen an den männlich geprägten und dominierten Macht- und Managementstrukturen, an der Vereinbarkeit bzw. Unvereinbarkeit von Kind und Karriere und an den eigenen inneren Bremsen wie etwa mehr Selbstzweifel und weniger Selbstdarstellungskompetenz.

Das Thema „Kind“ dürfte in dieser Karrierephase kaum noch eine Rolle spielen, sind doch genug Ressourcen vorhanden, um adäquate organisatorische Vorkehrungen zu treffen, wenn die Kinder nicht sowieso schon aus dem Haus sind. Dass diese Frauen übertriebene Selbstzweifel (gelegentliche gelten als ganz gesund), Scheu vor Selbstmarketing oder klarer Kommunikation haben, kann man sich kaum vorstellen, haben sie die Karriere-Ochsentour – immer neue und größere Verantwortungsbereiche zu übernehmen – doch erfolgreich hinter sich. Allerdings in anderen Unternehmen.

Führungswechsel sind immer riskant und viele von Ihnen scheitern. Die Kombination – das erste Mal Vorstand oder gar Vorstandsvorsitzende plus neues Unternehmen – hat es in sich. Oben ankommen ist eine Sache, oben bleiben eine andere. Diese Topjobs sind alles andere als sichere Arbeitsplätze. Läuft der Laden nicht, schafft man es nicht, Einflussnetzwerke zu erkennen und zu nutzen, Belegschaft, Kollegen, Aufsichtsrat hinter sich zu bringen und davon zu überzeugen, dass die neue Strategie den dringend notwendigen Turnaround bringt, ist der Job futsch.

Die Zugehörigkeitsfalle schnappt zu

Frau Sjöstedt beklagt die mangelnde Unterstützung von Eigentümer Nicolas Berggruen. Frau Titzrath nennt „persönliche Gründe“. Die Krux ist, dass diese Spitzenmanagerinnen im closed shop der Männer selten auf ihresgleichen treffen und sich auf informelle Weise zwanglos vernetzen können. Allein dadurch fehlt ihnen das natürliche Zugehörigkeitsgefühl.  Man ist sowieso schon einsam an der Spitze und Spitzenfrauen sind es doppelt. Jeder Satz, jeder Schritt wird genau registriert und dabei gibt es keinen Frauenbonus. Man braucht schon ein dickes Fell, um nicht zu frösteln, um Revierkämpfe und Machtspiele auszuhalten und so manchen Jux über sich ergehen zu lasen. Die Erkenntnis, eine Frau ist nicht genug, ist nicht neu, aber in diesem Thema gibt es auch kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Bleiben Sie mutig!

 

 

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