Wie war ich, Liebling? Management-Kolumne von Barbara Schneider, erstveröffentlicht in DIE WELT/KARRIEREWELT vom 07. April 2012
Heute muss es schwarz sein, denkt Marion, und greift zum teuren Kostüm. Schwarz macht schlank. Angenehme Nebenwirkung. Leider auch alt, eher unangenehm. “Frauen über Vierzig sollten oben herum kein Schwarz tragen”, tönte die Stylingberaterin noch in ihren Ohren. Egal. Schwarz signalisiert eben auch Macht und Distanz. Beides kann heute nicht schaden. Sie soll im “Schätzwesen” antanzen. Chefcontroller Meyer will mit ihr das Budget durchgehen.
Nachdem er auf einer Betriebsfeier die Kontrolle verloren und sie vor den versammelten Managementkollegen als “überbezahlte Smalltalkerin” bezeichnet hatte, hat Marion dem Titel postwendend alle Ehre gemacht und gekontert: “Danke fürs Kompliment.” Denkt er, sie hätte in der Zwischenzeit nicht schießen gelernt. Und ob! Der Gatte hat sie aufs Zurückschießen getrimmt. Sie greift zur gewieften Dreisprungtaktik: Angreifer mit Kompliment verblüffen (wirkt immer) – dumme Bemerkung an sich abprallen lassen – Angriff umleiten: “Ganz Ihrer Meinung, Herr Meyer, die Kommunikation mit Mitarbeitern und Medien kann man ja wohl auch nicht mit Ihrem Schätzwesen vergleichen.” Der Schuss saß. Schachmatt! Die Herrenrunde amüsierte sich, bis auf Meyer, dem blieb die Luft weg. Seitdem klebt der Begriff an seinen Geschäftsprognosen wie Kaugummi an der Ledersohle. Den Imageschaden, den er anrichten wollte, hat er nun selbst.
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Wie war ich, Liebling? Management-Kolumne, Teil 2, von Barbara Schneider (erstveröffentlicht in DIE WELT/KARRIEREWELT vom 10.03.2012)
Marion macht sich einen Kaffee und Gedanken über Hoffmeister. Der hatte sich ganz schön was herausgenommen in der Vorstandssitzung und bei der Gelegenheit gleich mal klar gestellt, dass er ein ernst zu nehmender Mitspieler war. Ganz schön mutig vom neuen Marketingmann. Kompliment! Und auch typisch Kerl, gleich in den Konkurrenzmodus zu gehen. Was hatte sie sich anfangs daran abgearbeitet, auf Verbindung zu setzen, eine Beziehung zu den Kollegen aufzubauen. Im Konferenzraum konnte man das vergessen. Da machen sie alle auf: “Keine Götter neben mir”. Aber eins ist sicher, Meyer würde so ein Abkanzeln von jemandem, den noch nicht mal der Hauch von Stallgeruch umwehte, nicht auf sich sitzen lassen. Das brachte sie fürs Erste aus der Schusslinie und auf angenehmere Gedanken.
Sie überflog die Tagespresse. “Personalwesen und PR sind Sackgassen für Frauen”, will eine neue Studie wissen. Keine Frage, PR und Personal waren Frauendomänen. Was hatte sie im letzten Jahr nicht alles an Klimmzügen unternommen, um die nächste Elternzeitlücke zur Abwechselung mal mit einem Mann zu füllen.
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Wie war ich, Liebling? Management-Kolumne von Barbara Schneider (erstveröffentlicht in DIE WELT/KARRIEREWELT vom 18.02.2012)
Marion weiß, was es heißt, dem oberen Führungskreis ihr Konzept vorzutragen. Nämlich vor allem eins: sich nicht aus demselbigen bringen zu lassen. Meyer würde sich als erster auf die Zahlen stürzen. “Frau Schäfer”, würde er sagen, “Ihre Zahlen, die stimmen doch überhaupt nicht.” Früher war sie bei solchen Frontalangriffen kurz vorm Kollaps gewesen, hatte sich sofort den Schuh, den ihr Chefcontroller Meyer in schöner Regelmäßigkeit hinstellte, angezogen. Aber: Die Zeiten sind vorbei. Marion hat dazu gelernt. Zwölf Jahre mittleres Management in einem männerdominierten Industrieunternehmen sind nicht umsonst gewesen.
Etliche Gespräche mit dem Gatten haben ihr geholfen Behauptungen erst einmal als bloße Behauptung zu identifizieren. Heute erkennt sie Meyers Absicht: sich in Szene zu setzen vor Hartmann, dem gemeinsamen Chef. Dabei weiß doch jede Frau, die sich anschickt, aufzusteigen, dass diese Spiele so gespielt werden in den Führungsetagen. Jetzt spielt Marion mit und lässt die ihr angebotenen Schuhe stehen. Soll sie sich doch jemand anderer anziehen.
Sie muss grinsen, als sie an die Szene beim Italiener denkt, die ihr der eigene Gatte machte. “Es geht bei solchen Strategiesitzungen doch nicht um die Sache”, hatt er ihr nach dem ersten Fiasko eingebläut. Er war fassungslos, mehr
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Buch der Woche: “Teams führen” von Rainer Niermeyer. Rezension von Wolfgang Hanfstein: managementbuch.de
Dass gute Teams hervorragende Arbeit leisten können, hat sich inzwischen herumgesprochen. Wie man es aber anstellt, “gute” Teams am Start zu haben, bleibt ein Geheimnis. Kein Wunder, ist doch in den seltensten Fällen klar, ob es sich wirklich um Teams handelt – oder eben um Abteilungen oder Gruppen oder einfach um Menschen, die mehr oder weniger aus Zufall in einem Raum zusammen arbeiten. Deshalb fängt Rainer Niermeyer in seinem praktischen Handbuch zur Teamarbeit “Teams führen” (Haufe 2012) mit Aufräumarbeiten an. Und präsentiert dann den wirklichen Teamleitern schön übersichtlich die wichtigsten Methoden und Instrumente. Keine Rocket.Science, aber solides Handwerk.
Wenn keiner weiß, wo es lang geht, kommt auch keiner an
Ich vermute mal, dass neun von zehn Beschäftigten, die in einem sogenannten Team arbeiten, keine Ahnung von den Zielen haben, die das Team erreichen soll. Das liegt daran, dass der Teamleiter meist auch nicht weiß, was seine Aufgaben als Teamleiter sind. Folge sind demotivierte Menschen, die sich zumindest innerlich verabschieden. Dabei bietet doch gerade Teamarbeit vielfältige Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Fähigkeiten und Talente der Einzelnen zur Entfaltung zu bringen. Zum Wohle der Ergebnisse, für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und damit des eigenen Arbeitsplatzes. Das Buch “Teams führen” des Ex-Kienbaum-Mannes Rainer Niermeyer zeigt, wie Teamleiter diese Schätze heben können. mehr
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Weihnachten ist vorbei. Natürlich mal wieder viel zu schnell. Kaum Zeit für besinnliches Nichtstun. Bürofeiern und Besorgungen halten uns auf Trapp statt uns Zeit zu nehmen, Bilanz zu ziehen. Als Führungskraft die Mitarbeiter nicht nur auf einen Umtrunk zusammen trommeln, sondern um das alte Jahr mal ganz bewusst Revue passieren lassen: Was ist gut gelaufen in diesem Jahr, was nicht? Was wollen wir weiter machen, was hat sich überholt und können wir lassen, was anders machen oder neu einführen? Wer schleppt nicht irgendwelche Altlasten, Auswertungen, Aufgaben oder auch Meetings mit, deren Sinn sich nicht erschließt, aber immer schon so gemacht wurden. Solche Entsorgungsrunden, regelmäßig durchgeführt, wirken Wunder, nicht nur in Sachen Effizienz, sondern auch für die Mitarbeitermotivation.
Die Kunst des Zuhörens
Dafür braucht es keine großformatige Motivationskampagne. Einfach (und das ist ja bekanntlich schwierig) mal den Leuten Fragen stellen und ihr Wissen anzapfen. Und dann zuhören. Sich zurücknehmen und sich anhören, was Mitarbeiter bewegt, bedrückt, sie anders machen würden. Das auszuhalten, als Chef oder Chefin nicht immer sagen zu müssen, wo es langgeht, nicht immer die beste Idee haben zu müssen und den längsten Redeanteil – das ist die Kunst. Statt in schlechter Managermanier zu schnauben: Das muss in Zukunft anders gemacht werden. Menschen arbeiten nicht für Geld allein, sondern es geht ihnen auch um Anerkennung und Aufmerksamkeit wie wir jeder Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit bzw. Unzufriedenheit entnehmen können. mehr
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In den USA ließ sich schon vor einigen Jahren eine interessante Entwicklung feststellen, die Kreise zieht: die Anzahl weiblicher CFOs in großen Unternehmen steigt stark an. Auch hierzulande scheinen immer mehr Unternehmen auf die Verbindung von Frauen und Finanzen zu setzen. Ein aktueller Neuzugang ist Silke Grimm, die beim Weltmarktführer im Kreditversicherungsgeschäft EULER HERMES zum neuen CFAO (Chief Financial and Administration Officer) bestellt wurde.
Hat man früher gerne mal geunkt: typisch, Frauen trifft man entweder in der Personalabteilung oder in der Buchhaltung, da sind sie weg vom Fenster, sind diese Bereiche heute ein gutes Beispiel dafür, wieso es hier besonders gut gelingt, geeignete Frauen mit entsprechender Erfahrung zu finden. Mit den Jahren ist hier eine im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen gut gefüllte Pipeline im gesamten Hierarchiesystem gewachsen.
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Allein in Deutschland erscheinen jedes Jahr rund 8.000 (die Nullen stimmen!) neue Wirtschaftsbücher – mehr als zwanzig pro Tag. Wer soll da noch den Überblick behalten, wird sich das deutsch-amerikanische Autoren-Quartett von “Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten” gedacht haben und legen jetzt eine 450-seitige Sammlung der besten Wirtschaftsbücher vor. Wer sein Managementwissen updaten will, ist mit diesem Werk mehr als gut bedient. Es bietet Bestseller aus elf Kategorien wie Führung, Strategie, Management, Große Ideen und mehr. Manchmal reicht auch das Lesen oder Wiederlesen eines Buches statt gleich einen Berater anzuheuern. Mehr auf managementbuch.de
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Buch der Woche: “Medientraining kompakt: 150 konkrete Tipps für den Umgang mit Journalisten von Presse, Nachrichtenagenturen, Hörfunk und Fernsehen” von Elisabeth Ramelsberger, Michael Rossié. Rezension von Wolfgang Hanfstein: managementbuch.de
Einerseits gibt es für das Unternehmen und oft auch für die eigene Positionierung nichts Besseres, als in die Medien zu kommen. Aber wehe, die Journalisten stehen dann tatsächlich vor der Tür! Dann werden die Hände nass, die Stimme versagt und das Einzige, was man sagt, wird hinterher total verdreht. Wer ein anderes Ergebnis will, muss – üben. Und zwar vorher! Dazu gibt es Trainings und Seminare. Und ein Buch, in dem die beiden Profis Elisabeth Ramelsberger und Michael Rossié 150 gute Tipps für den richtigen Umgang mit Journalisten aus Presse, Funk und Fernsehen geben.
Der Journalist ist nicht dein Freund. Er ist auch nicht dein Feind. Er macht nur seinen Job. In vielen Unternehmen ist die Versuchung groß, die Presse für die eigenen Zwecke einzuspannen. Nach dem Motto: “Die sollen mal berichten!” werden Öffentlichkeitsarbeiter dazu verdonnert, nichtssagende Meldungen zu verschicken. Und wenn es dann mal brenzlig wird, wenn das Unternehmen aus irgendwelchen Gründen in die Schusslinie kommt (Entlassungen, Gewinneinbrüche, Umweltgefahren …), wird aus der Presseabteilung eine Presseabwimmelungs-abteilung. Dabei sind, was die Medienarbeit anbelangt, die Karten gänzlich anders verteilt. Die Journalisten sitzen am längeren Hebel. Und sie haben eindeutige Interessen. Sie wollen kritisch berichten. Oder zumindest Außergewöhn-liches. Ihre Währung sind die Leser, die Zuschauer, die Hörer. Erst wer das verstanden hat, erkennt die Grundlage der Medienarbeit: “Der Journalist ist nicht dein Freund. Er ist auch nicht dein Feind. Er macht nur seinen Job”, sagen die Autoren dieses praktischen Handbuches. Und sie haben recht!
Wer in die Kamera schaut, hat verloren mehr
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Nachdem Kathrin Menges beim Düsseldorfer Dax-Unternehmen Henkel in den Personalvorstand berufen wurde, steigt die Zahl der Vorstandsfrauen im Dax auf sieben bzw. acht mit der designierten Marion Schick, die 2012 – ebenfalls als Chefpersonalerin – zur Telekom stößt. Das Ressort Personal scheint eine Renaissance zu erfahren, war es doch eine zeitlang als eigenständiges Vorstandsressort von der Bildfläche verschwunden und wurde vom CEO oder CFO mitbetrieben.
Obwohl man sich eigentlich über jede Frau im Topmanagement der Dax-Konzerne freuen sollte, regen sich jetzt mit Menges, die die fünfte Spitzenpersonalerin im Dax ist, erste Bedenken und die Freude fällt verhalten aus. Die Financial Times Deutschland zitiert Birgit Kerstens vom Deutschen Juristinnenbund mit den Worten: ”Natürlich begrüßen wir jede Frau, die in den Vorstand eines DAX-Unternehmens einzieht. Aber wir würden uns wünschen, dass Frauen auch mal andere Funktionen als die des Personalvorstands übernehmen.”
Das kann man so sehen oder anders. Personal ist ja gerade der Bereich, in dem auch auf Leitungsebene eine recht ausgewogene Gender Balance herrscht, die Pipeline also gut gefüllt ist bis hoch in die zweite Ebene. Kein Wunder, dass es hier besonders leicht fällt, entsprechende Frauen zu finden. Insofern sind diese Pionierfrauen im Personalvorstand doch ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, kontinuierlich und konsequent einen ausgewogenen Gender Mix auf jeder Managementebene zu verfolgen.
Von Führungscoach und Buchautorin Dr. Barbara Schneider, www.2competence.de
Zwanzig Jahre ist es her, als das amerikanische Autoren-Duo Patricia Aburdene und John Naisbitt den „Megatrend Frauen“ ausrief. Seitdem beschäftigen sich Medien, Politik, Wissenschaft in schöner Regelmäßigkeit mit Frauen in Führungspositionen bzw. mit den dort immer noch fehlenden Frauen. Und was ist mit der Wirtschaft selbst? Wenn sie jetzt nicht handelt, wird für sie gehandelt, droht die Kanzlerin. Appelle dieser Art gab es schon genug. Auch der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder kam zu der späten Einsicht, dass in der Vergangenheit zu wenig getan wurde für die Frauenförderung. Tja, erst Gedöns, dann das Geständnis. Also unterzeichneten Bundesregierung und Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft 2001 eine Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Die, so heißt es jetzt aus Berlin, zeige vor allem eins: Papier ist geduldig. Da fragt man sich natürlich, wieso wartet man zehn Jahre für diese Feststellung und hat zwischendurch keiner bei den Wirtschaftsmächtigen mal nachgehakt?
Bessere Gender-Balance durch gesetzliche Gießkannenquote?
Nichts soll sich geändert haben, sagen die, die das Glas grundsätzlich halbleer sehen. Halbvoll betrachtet sollte eigentlich kein Zweifel daran bestehen, dass sich die Startchancen für Frauen in den letzten beiden Jahrzehnten enorm verbessert haben: noch nie gab es so viel qualifiziertes weibliches Führungspotenzial und -personal in der Pipeline wie heute. Einzig der Schritt ins Topmanagement großer Unternehmen bleibt nach wie vor der schwierigste. Da weder Vereinbarungen noch Frauenförderung geholfen haben, den Weg an die Spitze zu ebnen, scheinen einige zum Äußersten bereit, damit endlich auch die Gender-Balance in Aufsichtsräten und Vorstandsetagen stimmt. mehr